Vorgehen bei der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung

Eines vorweg: „Die Zeitgemäße Entwurmung ist nicht gegen den Einsatz von Anthelminthika (chemische Entwurmungspräparate – pflanzliche oder homöopathische Mittel können niemals Anthelmintika sein und/oder diese ersetzen). Vielmehr ist die ZE jedoch für den ZIELGERICHTETEN Einsatz von Anthelminthika basierend auf Diagnostik.“
[Dr. Menzel, Nana Keck, 2015 Ludwigshafen]

Nachfolgend erfahren Sie, wie die Teilnahme an der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung abläuft. Lesen Sie, welche Untersuchungen gemacht werden, wie Sie am besten Proben entnehmen und vieles mehr. Auch im PDF finden Sie die wichtigsten Informationen:

 

Probenentnahme

Bitte mit einem Einweghandschuh oder einer Tüte tief in einen frischen, eindeutig dem Pferd zuzuordnenden Kothaufen greifen, eine Handvoll entnehmen (ca. 150 Gramm), umstülpen und gut verknoten. Auslaufsicher verpacken in eine weitere Plastiktüte und in die Versandverpackung geben. Möglichst sofort zur Post bringen. Zwischenzeitlich bei Kühlschranktemperatur lagern.

Beschriften Sie den Beutel bitte eindeutig und so, dass es bei zugeknotetem Beutel gut lesbar ist.

Bei warmen Temperaturen im Sommer (mehr als + 20 °C) können Sie durch Beilegen eines Kühlakkus, den Sie bitte durch Zeitungspapier oder ähnliches so von der Probe trennen, dass diese nicht gefriert, die Sicherheit erhöhen, dass die Proben in bester Qualität im Labor ankommen. Gegen Übernahme der Portokosten schicken wir Styroporverpackungen und/oder Kühlakkus gerne auch wieder zurück.

Vergessen Sie bitte das Beilegen der Untersuchungsformulare nicht. Nur bei ihrer ersten Einsendung oder wenn sich dessen Inhalte ändern, ist der Anamnesebogen wichtig, ansonsten genügt der Untersuchungsauftrag:

 

Der beste Startzeitpunkt

Hat man sich entschlossen, das Endoparasitenmanagement seines Pferdes / seines Bestands auch nach den Regeln der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung zu handhaben, ist ein Start im Frühjahr (Mitte bis Ende März) optimal. Dann ist das erste Jahr, das sogenannte Kategorisierungsjahr gleich auch das Kalenderjahr, denn im Winter haben die Parasiten Winterpause. Selbstverständlich ist aber auch ein Start zu jedem anderen Zeitpunkt möglich, jedoch darf dann das "SE-Jahr" nicht mit dem Kalenderjahr verwechselt werden.

Wenn Sie sich entschlossen haben, das Parasitenmanagement Ihrer/s Pferde(s) im Rahmen der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung betreuen zu lassen, füllen Sie bitte den Anamnesebogen aus und legen ihrer ersten Einsendung diesen und auch den Untersuchungsauftrag bei:

 

Das Kategorisierungsjahr

In Ihrem ersten SE-Teilnahmejahr, dem Kategorisierungsjahr (ein Jahr ab Beginn der Teilnahme, nicht das Kalenderjahr), untersuchen wir den Kot Ihres Pferdes insgesamt vier mal. Da diese vier mal nicht einfach über die Kalendermonate gleich verteilt werden können, sondern die Ruhepause der Endoparasiten im Winter, das aktuellste Beprobungsergebnis, die Haltungsbedingungen des Pferdes und seine parasitologische Vorgeschichte berücksichtigen sollte, lassen Sie sich von uns bezüglich des jeweils nächsten Termins und der jeweils fälligen Untersuchungen beraten.

Nach jeder Probeneinsendung erhalten Sie einen Befund sowie eine Behandlungsempfehlung, die Ihnen sagt, ob und mit welchem Wirkstoff zu behandeln ist. Muss ein Pferd auf Strongyliden oder Spulwurm behandelt werden, so benötigen wir von diesem Tier 14 Tage nach der Behandlung eine erneute Kotprobe, um eine Wirksamkeitskontrolle durchführen zu können. Dies wird Ihnen mit der Behandlungsempfehlung mitgeteilt.

Am Ende des Kategorisierungsjahrs wird Ihr Pferd anhand der Strongyliden-EpG (Eier per Gramm Kot) eingeteilt in eine Ausscheiderklasse:

  • Null- und Niedrigausscheider sind Pferde, die bei ALLEN der vier Beprobungen unter 200 EpG hatten und daher nicht behandelt wurden
  • Unklare Ausscheider sind Pferde, die schwankende Ergebnisse übers Jahr zwischen unter 200 EpG und mässig darüber (bis ca. 500 EpG) Strongyliden aufwiesen
  • Hochausscheider sind Pferde die bei jeder Probe deutlich erhöhte Werte zeigen

 

Die Folgejahre

Bei den Null-und Niedrigausscheidern (Klassifizierung siche Kategorisierungsjahr) kann die Menge der Kotuntersuchungen im zweiten und den folgenden Jahren verringert werden. Wieviele Kotuntersuchungen genau zu empfehlen sind, sollte für das jeweilige Pferd unter Berücksichtigung der individuellen Haltungsbedingungen sowie des Entwurmungs –und Weidemanagments des Stalls ermittelt werden. Sie bekommen von uns dazu die passende Empfehlung.

Bei den Hochausscheidern wird man unter Umständen eine kontinuierliche Behandlung für ein Jahr empfehlen, danach starten sie erneut in das erste Kategorisierungsjahr. Sehr oft können sie dadurch ihren Hochausscheiderstatus verlieren und somit langfristig gesünder und mit weniger Belastung leben. Auch diesbezüglich werden Sie von uns beraten.

Unabhängig davon, wieviele Proben im Jahr sie einschicken, legen Sie bitte jeder Probe den Untersuchungsauftrag bei:

 

Safe Start

Oft wird empfohlen, mit der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung mit einer Gabe eines Kombipräparats im Winter zu beginnen. Hintergrund ist, dass zu dieser Zeit oft sowieso gegen Magendasseln und Bandwurm behandelt wird und man dann sagt, die Pferde starten "sauber" in das Kategorisierungsjahr, sind also ziemlich frei von Endoparasiten. Hierbei wird eine Wirkstoffkombination aus Moxidectin und Praziquantel eingesetzt.

Moxidectin wirkt gegen die folgenden Endoparasitenarten:

  • Alle Strongylidenarten, auch gegen die Wanderstadien der Großen Strongyliden und gegen die sogenannten „persistierenden Larven“ der Strongyliden in der Darmwand. Diese sind verantwortlich für das Auftreten einer sogenannten „Larvalen Cyatostominose“, einer meist tödlich verlaufenden Durchfallerkrankung.
  • Magendasseln
  • eingeschränkt auch gegen Spulwürmer und Oxyuren

Praziquantel setzt man gegen alle beim Pferd vorkommenden Bandwurmarten ein.

Ob und wann nun ein „Safe Start“ erfolgen sollte, sollte immer individuell auf das jeweilige Pferd und seine bisherige Entwurmungshistorie sowie das Entwurmungs-und Hygienemangment des Bestands angepasst werden. Daher stellen Sie uns zuerst Ihr Pferd vor (die Erstaufnahmeunterlagen mit dem Anamnesefragebogen erhalten Sie gerne per E-Mail) und wir beraten Sie im Anschluss dahingehend.

 

Untersuchungen, die im Rahmen der SE durchgeführt werden

Die nähere Erklärung der verschiedenen Untersuchungen:

Erstuntersuchung

Beinhaltet modifiziertes McMaster Verfahren und kombiniertes Sedimentations-Flotations-Verfahren, um einen Überblick zu gewinnen, welche Endoparasitenarten im jeweiligen Pferd und im Bestand vorliegen. Entsprechend der Ergebnisse wird eine Empfehlung zur Behandlung sowie zur nächsten Besprobung erstellt.

Folgeuntersuchung

Modifiziertes McMaster Verfahren zur Feststellung des Verlaufs des Endoparasitenstatus über's Jahr.

Wirksamkeitsuntersuchung

Modifiziertes McMaster Verfahren zur Feststellung der Wirksamkeit des eingesetzten Medikaments, indem die Zahlen vorher und nachher verglichen werden.

Erweiterte Untersuchung

Es wird turnusmäßig empfohlen, einmal jährlich, am besten im Herbst ein erweitertes Screening mit modifizertem McMaster Verfahren sowie kombiniertem Sedimentations-Flotations-Verfahren zu bestellen.

Larvenanzucht

Wird empfohlen bei Pferden, die aufgrund niedriger Strongyliden-EpG länger nicht behandelt wurden oder bei Importpferden aus dem Ausland.

 

Weitere Untersuchungen werden auf begründeten Verdacht hin individuell empfohlen.

... z.b. Tesaabklatsch: Tesastreifen auf die Eiablagerung kleben, abziehen und auf einen Objektträger (bekommt man vom örtlichen Tierarzt) kleben. Diesen dann gut einpacken und einsenden.